Wenn der CEO bloggt

… lügt er dann?

Woran erkenne ich den authentischen Blogger?

Dr. Hermann Iding beschreibt das Dilemma bloggender Unternehmensvertreter.

Blogs sind ehrlich, authentisch, ungeschminkt, echt. Blogger sprechen die Sprache der Straße [..]

Was passiert also nun, wenn die Person an der Spitze bloggt? Das Medium des Blogs strahlt auf die Person ab: dem bloggenden CEO wird Authentizität unterstellt, quasi automatisch attestiert durch das Medium. Das kollidiert komplett mit den Anforderungen der Organisation an ihren bloggenden CEO. Hier kommen wir nun zur Naivität: entweder der CEO bloggt fröhlich vor sich hin, dann gibt es ein Problem mit der Organisation, die ihn schnellstmöglich versuchen wird, wieder einzufangen. Oder der CEO bloggt gemäß Organisationsauftrag – dann wird er vielleicht Aufmerksamkeit erzielen, aber eben nur begrenzt: denn die wirklich interessanten Dinge kann er nicht sagen.

Per Definition handelt eine authentische Person frei von externen Einflüssen wie Gruppenzwang oder Manipulation (siehe auch: Wikipedia:Authentizität).

Will nicht (fast) jeder mit (s)einer Meinungsäußerung Einfluss nehmen auf das Verhalten oder Erleben von Einzelnen oder Gruppen? Auch das ist Manipulation. Ist es mit dieser Definition vor Augen nicht vielmehr naiv, jedem Blogger „per Definition“ Authentizität zu unterstellen?

Der bloggende Unternehmensvertreter kommt für mich dann authentisch, d.h, als echt rüber, wenn er offen darlegt, wen er vertritt und deutlich macht, warum er das eine sagt und das andere nicht sagen darf; seine Sprache (besser: Schreibe) muss natürlich sein, d.h. zu seiner Person und zu seiner Rolle passen! Auch der in der Blog-Szene bekannte Anwalt verät keine Mandanten-Geheimnisse und wird dennoch als „authentisch“ wahrgenommen.

Vorausgesetzt der bloggende Manager oder Unternehmenssprecher ist eine starke und authentische Persönlichkeit, dann wird er auch im Weblog als authentisch und echt wahrgenommen und das steht in keinem Widerspruch zu den Interessen des Unternehmens.

Ich will nicht verhehlen, dass der bloggende Manager, der „authentisch“ und entsprechend den Unternehmensrichtlinien bloggt, dennoch – und gerade wegen der Bloggerei – in Konflikt mit anderen (wichtigen) Personen des Unternehmens kommen kann; aber das ist in meinen Augen ein ganz anderes Thema!

Ein Gedanke zu „Wenn der CEO bloggt“

  1. hmm interessante Überlegung, spontan hätte ich ja auch dazu tendiert, einfach zu sagen: der Cheff blogg dann ggf über belanglose Sachen. Ich glaube, die Gefahr sich da die FInger zu verbrennen ist enorm…

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