Wikipedia: Lexikon oder Online-Pranger?

Spiegel Online berichtet:

Siemens-Mitarbeiter haben versucht, das Image ihres Chefs Klaus Kleinfeld in der Online-Enzyklopädie Wikipedia zu korrigieren – und damit einen heftigen Streit zwischen dem Konzern und Verfassern sowie Nutzern des Internet-Lexikons ausgelöst.

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Seit wachsame Wikipedianer die PR-Aktion Mitte Mai entdeckten, tobt auf den Diskussionsseiten des Laienforums ein erbitterter Kleinkrieg um die kosmetischen Eingriffe. Inzwischen wird der Kleinfeld-Beitrag sogar auf der internen Watch-List für besonders umstrittene Artikel geführt.

Dieser „Kleinkrieg“ überrascht mich nicht!

Dass PR-Abteilungen großer Konzerne das Online-Lexikon Wikipedia nicht nur beobachten, sondern auch aktiv in ihrem Sinne beeinflussen wollen, zeigt, dass die Konzerne die große Bedeutung der Wikipedia-Einträge für das eigene Image – endlich! – erkannt und akzeptiert haben.

Und zu kurz springen m.E. auch die, die jetzt auf die einzelnen Mitarbeiter eindreschen, die versucht haben, ihren Chef in einem besseren Licht darzustellen – aus welchen Motiven heraus auch immer.

Selbstverständlich ist das plumpe Vorgehen falsch und wird zu Recht gerüffelt:

ACHTUNG: Dieser Artikel enthält Inhalte, die offensichtlich von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Siemens-Konzerns einkopiert wurden. Darauf weisen die gespeicherten IP-Adressen hin.

Die Wikipedia ist KEINE Siemens-Manager-Ego-Beweihräucherungsmaschine, das sollte auch den Teilnehmern aus den IP-Bereichen 217.194.34.123 (erlm.siemens.de) oder 192.35.17.30 (Siemens-Nixdorf) oder 194.138.18.131 (Siemens-MCH) bekannt sein.

Auszug aus der Diskussion auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Klaus_Kleinfeld

Authentizität und Transparenz sind wichtige Werte einer offenen Gesellschaft! – Soweit die Theorie ;-) ! In der Praxis stellen sich auch die folgenden Fragen:

Wer sind die – neuen – Meinungsmacher im Netz?

Wer hat die Macht, Zugänge zu bestimmten Inhalten zu sperren bzw. freizugeben?

In vielen Fällen gibt es nicht nur eine Wahrheit, sondern viele berechtigte Interessen. Medienkonzerne, Netzdienstleister u.a. positionieren sich neu und Lobbyverbände suchen neue Ansprechpartner.

Wir müssen auch darauf achten, dass es nicht so kommt wie auf der Farm der Tiere: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher“.

Die größtmögliche Transparenz ist nur dann gewährleistet, wenn sich möglichst alle gesellschaftlichen Gruppen einmischen! Leider ist die Möglichkeit nicht überall gegeben – ich denke an die Zensur in China, aber auch anderswo gibt es Tendenzen, die das offene Netz gefährden. Ein Video hierzu finden Sie bei Silke Schümann.

weitere Artikel zu Siemens und Wikipedia:
Blogdiplomatie: Siemens Wikipedia-Retuschen
heise online: Image-Kosmetik für Siemens-Chef in Wikipedia
zeineku.de: Siemens und die Wikipedia