Weblog (Miss-) Interpretationen

Wann ist jemand, der im Internet schreibt, ein Blogger? und wann ist eine Website ein Weblog? zwei immer wieder heiß und kontrovers diskutierte Fragen …

… aber interessiert das auch den gemeinen Internet-User?

Ein Beispiel ist die Diskussion um Readers Editon (RE).

Warum nur nennt man die Nachwuchsredakteure der RE Blogger? Ich denke mal, hier wirds in der Begrifflichkeit doch unscharf. RE ist meinetwegen User Generated Content, aber kein Blog. Auch wenn es eine ähnliche Inhalte und Funktionen hat. Aber Blogs machen vor allem das Persönliche aus, nicht allein die Technik.

Thomas Wanhoff in Nochmal Readers Edition. Er bezieht sich auf BasicThinking >> TAZ über Bürgerjournalismus.

Nun, ursprünglich waren Weblogs nichts anderes als ganz persönliche Tagebücher, die dann ins Internet gestellt wurden. Blogger schreiben subjektiv über ihre Hobbies, ihre (Reise-)Erlebnisse, ihre ganz persönlichen Empfindungen und Gefühle …

Das hat sich geändert!

Heute bloggen Anwälte, Berater, Angestellte, Studenten, Wissenschaftler, Journalisten, Online-Händler, Unternehmer, (… eigentlich mehr oder weniger alle Berufsgruppen …). Die Inhalte reichen vom Katzen-Content bis hin zu wissenschaftlichen Abhandlungen.

Einige Blogger schreiben sowohl auf „privaten“ Seiten als auch auf „kommerziell ausgerichteten“ Weblogs.

Die Anführungszeichen setze ich bewusst, denn die Grenzen verschwimmen häufig, was zu heftigen Kontroversen geführt hat und die Blogosphäre noch lange beschäftigen wird.

Was den leidigen Streit Blogger vs. Journalist angeht (- siehe auch Was Blogger können -), lässt sich festhalten:

  • Die meisten Blogger sind keine Journalisten.
  • Einige Journalisten betreiben ein Weblog.

… „betreiben ein Weblog“, bringt mich zu den technischen Aspekten des Blogs. Im Gegensatz zu den statischen Internet-Seiten sind Weblogs für die gegenseitige Verlinkung prädestiniert. Hierzu dienen Kommentare, Pingback und Trackback. (siehe auch Verlinken – Ja, aber Wie?)

Links auf das eigene Blog sind wichtig, um den Pagerank zu erhöhen. Auch die Blog-Suchmaschine Technorati bewertet die Weblogs aufgrund eingehender und ausgehender Links, hieraus wird die Rangordnung abgeleitet.

Nutzen für die Blogger: ihre Postings erhalten exponierte Google-Treffer, was wiederum die Verbreitung fördert und sie dann zu Meinungsmachern macht – andere sagen dazu auch Rudelführer … (deshalb wird es in machen Teilen der Blogosphäre auch gar nicht gerne gesehen, wenn kommerzielle Seiten – speziell die Angebote verschiedener Verlage – direkt verlinkt werden; denn dadurch wird ja deren Pagerank erhöht ;-) )

Und wo bleiben unsere Leser bei alledem?

Genau damit habe auch ich ein Problem. O.K., viele Blogger sagen, sie schrieben ausschließlich für sich selbst, alles andere sei ihnen sch…egal …; das wird wahrscheinlich auf das Gros der Blogger zutreffen, sie brauchen keine Technorati-Links … eigentlich könnten sie auch ihre Tagebücher – wie viele Generationen zuvor – im Bettkasten verstecken … (Ergänzung 12.06.: habe gerade den Hinweis erhalten, dass hier das Augenzwinkern ;-) fehlt: mit „im Bettkasten verstecken“ wollte ich kein Weblog in irgendeiner Form abwerten. Viele Blogger schreiben für eine kleine aber feine Gruppe und nutzen dafür das Internet, ohne selbst Wert darauf zulegen, dass viele „Fremde“ via Google auf das Blog stoßen …. Sorry, wenn ich hier missverstanden worden bin! – im Übrigen verbirgt sich hier auch ein sehr interessanter Diskussions-Ansatz ;-) )
Andere Blogger wollen oder müssen auffallen – gar nicht einfach im weiten Internet ;-) d.h. diese Blogger brauchen Leser!

Aber welchen Nutzen haben Sie – als Blog-Leser?

Das hängt natürlich zunächst von Ihrer Erwartung ab! Suchen Sie Unterhaltung oder Informationen, haben Sie berufliches oder privates Interesse, wollen Sie mit dem Autor und anderen Lesern „über Gott und die Welt“ philosophieren, …

… ich beschränke mich hier auf die berufliche Nutzung …

… wenn ich von Unternehmern gefragt werde, „Welches Blog muss ich denn unbedingt lesen? … ich habe ja soooo… wenig Zeit …“, kann ich nur sagen:

Beginnen Sie mit wenigen Blogs, die Sie thematisch interessieren. Seien Sie neugierig und folgen Sie dann den weiterführenden Links! Jedes Blog, dass Sie neu kennenlernen, führt Sie zu vielen weiteren … Sie merken schnell, wo sich die für Sie interessanten und wichtigen Diskussionen abspielen.

Aufgrund ihrer Vernetzung sind Weblogs für mich zu einer wichtigen Informationsquelle geworden. Die Internet-Recherche ganz allgemein verdrängt auch viele Fachzeitschriften von meinem Schreibtisch. In den letzten sechs Monaten – oder waren es schon mehr? – konnte keine Fachzeitung, die ich gelesen hatte, mir in der Rubrik „Aktuelles“ etwas anbieten, dass ich nicht zuvor schon im Internet gelesen hatte.

Die Zeit, die ich früher zum Lesen von Fachzeitschriften genutzt hatte, nutze ich heute für die Internet-Recherche, damit gewinne ich noch zusätzlich Zeit. (So kann ich hier und da auch mal ein Blog-Posting verfassen :-) )

Ich plädiere nicht dafür, dass Sie alle Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements kündigen und ausschließlich Weblogs lesen! Es kommt immer auf den richtigen Medien-Mix an :-)

Ein Gedanke zu „Weblog (Miss-) Interpretationen“

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