Urteil: Verlinkung von Bildern unzulässig

Hyperlinks machen das Internet aus

– diese Links sind das „Salz in der WWW-Suppe“ (Münz/Nefzger).

Leider gibt es nicht nur Politiker, die dieses Internet nicht verstehen (wollen), sondern auch Richter.

Für Aufsehen sorgt nun ein neues Urteil des OLG München (Urteil vom 26. Juni 2007 AZ: 18 U 2067/07).

Nach diesem Urteil sind Verlinkungen auf beliebige Textseiten mit Bildern ohne Zustimmung des oder der Rechteinhaber der Bilder unzulässig.

So wie ich das verstehe, ist mit diesem Urteil quasi jede Verlinkung angreifbar. Also wenn ich jetzt noch ein x-beliebiges Bild (ich alleine bin der Rechteinhaber) hier einfüge, kann ich jeden abmahnen, der diese Seite verlinkt, oder? Habe ich das Urteil wirklich richtig verstanden??? … das darf es nicht sein …

Aus Protest ruft Frau Lanu zum Linkstreik auf – wäre schön, wenn’s was bringt :) )))

Rainer Helmes

Update 4. August 2007: Urteil: Verlinkung von Bildern unzulässig (Update)

zu dem Urteil siehe auch:
Boocompany – Abschalten! Jetzt! (Update)
gulli.com – Verlinkte Bilder laut OLG München ohne Einwilligung unzulässig
R-Archiv.de – Linkhaftung bei Bildern

19 Gedanken zu „Urteil: Verlinkung von Bildern unzulässig“

  1. Ich verstehe das Urteil etwas anders, wenn ich mich in die Personen hereinversetze, die ihre Einwilligung erteilt haben. Angenommen, ich hätte schriftlich einer Veröffentlichung zugestimmt und finde später einen Link von einer kommerziellen Seite auf die Bilder, ein Verlag arbeitet nach meinem Verständnis kommerziell!, dann wäre ich auch etwas sauer.

    Ich glaube deshalb, dass hier ein anderer Grund vorliegt – nämlich die kommerzielle Nutzung (und sei es durch eine Verlinkung) auf eine private Homepage. Von daher kann ich dem Urteil nichts Arges abgewinnen. Mag aber sein, dass es sich in der schriftlichen Begründung etwas anders lesen wird. Dann könnte sich meine Meinung diesbezüglich ändern.

  2. Hallo Martina,

    mich irritiert, dass hier zusätzlich zu der „Linkhaftung“ ein neues Fass aufgemacht wird.

    Ohne Verlinkungen ist das Internet „tot“. Und ich sehe die Gefahr, dass dieses Urteil weiteren Abmahnungen Vorschub leistet.

    Z.B. kann man mir leicht unterstellen, dass ich mit diesem Blog auch kommerzielle Ziele verfolge. Wenn ich über ein Thema schreibe, verlinke ich auch die zitierten Seiten – das gehört für mich dazu, das ist das Internet :)

    Nun meine ernst gemeinte Frage: darf ich x-beliebige Seiten, die ein Bild o.ä. enthalten, nun nicht mehr ohne die ausdrückliche Genehmigung des Rechteinhabers verlinken??? Muss ich jedesmal vorher anrufen ;) )))

    Gibt es gute und schlechte Verlinkungen? Wer zieht die Grenzen? Wer bestimmt, was kommerziell ist und was nicht?

    M.E. brauchen wir keine (weitere) Einschränkung der Verlinkung, sondern eine Klarstellung, dass jeder auf jede Seite verlinken darf, die 1. bereits offen im Netz steht und 2. keinen rechtswidrigen oder strafbaren Inhalt darstellt.

    Ich gehe davon aus, dass jeder, der seine Homepage o.ä. ins Netz stellt, auch will, dass diese gefunden und gelesen wird; andernfalls sollte er seine Seiten mit einem Kennwort schützen und nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich machen.

  3. Rainer, lass uns doch einfach mal warten, bis das Urteil in schriftlicher Form im Web zu finden ist. ;) Vielleicht sieht es dann ganz anders aus?

    Hmm… zur Frage, wann gewerblich und wann nicht:
    ich glaube, dass es sich hierbei um eine Frage des Contextes handelt. Unter welchen Bedingungen wurde der Link gesetzt, mit welcher Absicht. Und bislang habe ich diesbezüglich nur Spekulationen gelesen.

    Angenommen, du würdest einen fliegenden Staubsauger vertreiben und zur Produktunterstützung auf ein Privates Bild von mir verlinken, in dem so ein Teil zu sehen ist. Dann bekämst du auch von mir Ärger, denn nicht anders verhalten sich Firmen, wenn sie ihre Produkte verlinkt auf Konkurrenzseiten sähen.

    Ich schlage deshalb erstmal vor, abzuwarten und nachzulesen. Wenn sich deine Vermutung bestätigt, dann können wir immer noch „zuschalgen“, verbal versteht sich.

  4. naja, die Gerichte werden sich sicher noch weiter mit diesem Thema beschäftigen … (und auf diese schriftliche Begründung bin ich auch gespannt!)

    Ich hoffe nicht, dass sich meine Vermutung bzgl. Abmahnungen bestätigt. Abmahnungen, die sich auf dieses Urteil berufen – aber abwarten ;)

    Ändern können wir beide das Urteil sicher nicht, da hilft auch kein „verbales Zuschlagen“ :) ))) vielleicht noch nicht einmal Frau Lanus Linkstreik?! :) )))

  5. Frau Lanu hat ihren Linkstreik wegen einiger Zweifel ausgesetzt. Abwarten scheint wirklich erstmal die beste Strategie zu sein. ;)

  6. Im konkreten Fall ist Abwarten sicher richtig :) – das Beste an dem Urteil – und natürlich dem (voreiligen???) „Durchhecheln“ in der Blogosphäre – ist aber, dass es „wachrüttelt“ – und wir uns mit der wirklich wichtigen Frage beschäftigen :) :

    Die Verlinkung darf m.E. nicht überreguliert werden! Macht das Internet nicht kaputt.

  7. Was wäre eigentlich, wenn auf einmal Hunderte oder Tausende von (Blog)Site-Betreibern ein Bild des Streithammels verlinken würden und dies noch dazu bekanntgeben würden?

    OK, ein gewisses Restrisiko besteht, aber das will ich sehen: Tausende von Menschen bekommen eine Abmahnung oder sonst was wegen eines Links auf das Bild eines anderen.

    Ich setze mal voraus, dass das Bild zulässig im Sinne dessen, was der Gesetzgeber als allgemein vertretbar eingestuft hat.

  8. @The Renitenz: was den konkreten Fall angeht, müssen wir wirklich die Urteilsbegründung abwarten, um zu sehen, was der Richter bei dem in Frage stehenden Link genau beanstandet hat.

    Ich bin kein Jurist, kann also auch nur mein Bauchgefühl sprechen lassen. Bis jetzt bin ich davon ausgegangen, dass auch ein Link auf eine allgemein zugängliche Bildquelle im Rahmen einer Berichterstattung zum einen durch das Recht auf Informationsfreiheit und zum anderen durch das Zitatrecht gedeckt ist. Und wenn das so stimmt, dann müssten auch tausende Verlinkungen auf eine einzige (Bild-)Quelle i.O. sein.

    Inwieweit dieses Urteil nun zur Klärung beiträgt oder eher mehr verunsichert, bleibt abzuwarten. (Das müssen dann die Juristen klären ;) )))

  9. Rainer, noch ist das Internet eine der „freiesten“ basisdemokratischen Formen. Klar, dass man unser Engagement irgendwie einschränken möchte, stehen wir mit unseren Beiträgen doch recht oft oben in der Liste mancher Suchmaschinen.

    In dem obigen besagten Fall brauchte ich ausnahmsweise einmal etwas länger, um die Kombatanten zu identifizieren. Als ich irgendwo von einem „Münchern Rechtsanwalt“ las, hatte ich schon einen gewissen Verdacht, der sich nun wohl bestätigt hat.

    In den allermeisten Fällen wird meines Erachtens nach inzwischen die internet“t“ige Abmahnerie dazu verwendet, einen Markennamen bzw. Produktnamen zu puschen. Dabei geraten gerade diejenigen ins Visier der abmahnsüchtigen und hartzIV-bedrohten Anwälte, die kaum Ahnung vom Presserecht und den dazugehörigen Regelungen haben. Was Zitate sind, wie und in welchem Kontext man sie anwendet, wie man Markennamen zu verwenden hat und in welchem Kontext, das ist für manche trotz vieler webbiger Hinweise eine intellektuelle Überforderung.

    Ich persönlich finde, dass in diesem Fall das OLG München uns Privat-Bloggern nicht schadet, sondern eher nutzt. ;)

  10. Mark, ich hoffe, dass Martina Recht behält und das Urteil eher nützt als schadet. Neue Informationen habe ich (noch) nicht. Bin aber für sachdienliche Hinweise in den Kommentaren dankbar :) ))) …

    … wer weiß noch was?

  11. Es wäre ja nicht das erste mal, dass HEISE mit einem Prozessen (HEISE hat im vorliegenden Fall in München zu klagen angefangen – das Urteil erging zu meiner Widerklage)einen weitreichenden „Kollateralschaden“ verursacht hat.

    Naja mal wieder dumm gelaufen – für Heise! :-D

    Mit freundlichen Grüßen

    Günter Frhr. v. Gravenreuth

  12. ZU MARTINA:
    Wieso soll diese Entscheidung keine Auswirkung auf „Privatblogger“ haben?? Das hier einschlägiges Kunsturheberrechtsgesetzt (KUG) trifft keinerlei Unterscheidung. Entscheidend allein ist folgendes:

    § 22 KUG (Recht am eigenen Bilde)
    Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner und die Kinder des Abgebildeten und, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten.

    § 23 KUG
    Ausnahmen zu § 22
    (1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
    1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
    2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
    3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
    4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.
    (2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird.

    Mit freundlichen Grüßen

    Günter Frhr. v. Gravenreuth

  13. ZU The Renitenz:

    Dann gibt es halt eine sog. „Serienabmahnung“ – und ggf. weiter Urteile in München. Ich allein entscheide gem. § 22 KUG wer Bilder von mir veröffentlichen darf und wer nicht. Hierfür bin ich auch niemanden eine Rechenschaft schuldigt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Günter Frhr. v. Gravenreuth

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