Leben und Sterben in Klein-Bloggersdorf

Ja, wir merken es alle, Klein-Bloggersdorf wächst, und damit wachsen die Probleme …

Die einen möchten „ihre Unschuld“ nicht verlieren und weiterhin ganz ohne Einfluss von außen schreiben, was sie bewegt, begeistert, nervt, usw. … andere entdecken plötzlich die Möglichkeit, mit ihrem Talent Geld zu verdienen. – Hochverrat!, schimpfen wieder andere.

Aus den hitzig geführten Diskussionen entstehen gewaltige Turbulenzen, wir Robert Basic hier schreibt:

Immer dann, wenn Kommunikations- und Verhaltensstrukturen neu definiert werden müssen, kommt es zu atmosphärischen Störungen, da die Zonen mit niedrigem Luftdruck stets einen Ausgleich mit Hochdruckzentren suchen. Sprich: Es wird turbulent.

Allerdings würde ich Weblogs heute noch nicht als Überschall-Kommunikationsjäger bezeichnen, dieser Vergleich überschätzt m.E. – noch!? – ihre Bedeutung ;-) ))

Leider treffen viele Angriffe aller Parteien mittlerweile sehr häufig unter die Gürtellinie – Beispiele dürfte jeder kennen, ich verzichte hier auf Links.

Martin Ötting fragt: Blogosphäre eats itself? und Klaus Eck spricht gar von Blogger-Kannibalismus.

Diese Umbruchsphase habe ich in einigen Kommentaren als „Pubertät der Blogosphäre“ bezeichnet, was natürlich in dieser platten Verallgemeinerung nicht richtig ist und auch nicht für ein tieferes Verständis der gewachsenen Blogger-Kultur spricht, Sorry! Don Alphonso ist stinksauer.

Aber ich habe nichts gegen kommerzielle Projekte in Klein-Bloggersdorf! Auch das neue hier initiierte Blog-Projekt – auch hier, hier, hier, hier und … – muss sich selbst finanzieren. Um von vornherein Missverständnisse weitestgehend auszuschließen und entsprechenden Diskussionen vorzubeugen, schreibe ich hier offen und direkt: der Aufwand der Mitwirkenden muss mittelfristig gedeckt sein und langfristig darf sich auch eine „Aufwandsentschädigung“ ergeben ;-) ))

Wir leben in einem System, in dem jede Investition – und hierzu zähle ich auch jede Arbeit – eine Rendite erwirtschaften darf und muss!

Das widerspricht der will-haben-haben-haben-aber-nix-bezahlen-wollen-Mentalität diametral!

Und das bringt mich nun direkt „zum Sterben in Klein-Bloggersdorf“: das Burnout Blog gibt auf:

Aufgrund der Popularität dieser Seite erhalte ich außerdem seit Jahren Anfragen, Anfragen, Anfragen, die zuletzt einen nennenswerten Teil meiner täglichen Arbeitszeit kosteten, die aber nicht wirklich etwas mit meiner Tätigkeit s.o. zu tun haben. Meine Bereitschaft, diese Fragen immer und immer wieder zu beantworten, ist im Zeitverlauf drastisch gesunken, zumal hier vieles längst steht. Bitte nehmen Sie das nicht persönlich. Bitte verstehen Sie, dass ich Ihre Wünsche aufgrund menschlicher Kapazitätsgrenzen nicht erfüllen kann und dass ich meine Energien auf meine Kerntätigkeit konzentriere. Ich kann so nicht arbeiten!

… auch das ist Klein-Bloggersdorf …

Statt „Geiz-ist-Geil“ muss wieder gelten „Gutes-Geld-für-gute-Arbeit“ und in Klein-Bloggersdorf wird viel und gut gearbeitet :-) ))

Anmerkung:
Bewusst setze ich keine Trackbacks, indem ich die URL manuel eintrage – um mich gar nicht erst der Trackbackschleimerei verdächtig zu machen ;-) )), d.h. verlinkt werden ausschließlich Seiten, die Pingback oder automatische Trackbacks unterstützen. Wer (- gilt für alle, die ich zitiert und verlinkt habe -) noch einen Trackback auf seiner Seite haben möchte, der hinterlasse bitte einen Hinweis in den Kommentaren. (Anm. für besonders eilige: bitte etwas Geduld: ich bin jetzt für ein paar Stunden außer Haus – Geld verdienen *grrrrr ;-) ))

Verlinken – Ja, aber Wie?

Wie klappt es eigentlich mit dem Verlinken?, habe ich schon hier gefragt. Trackback, ja, aber wann, oder Pingback oder was?

Nun liefert die Bloggosphäre wieder eine Steilvorlage, und ich kann nicht widerstehen:

Die Freundin bloggt, und – wie Björn Hasse feststellt – die MacherInnen können nur alles falsch machen:

Wer nicht verlinkt, der ist doof. Wer verlinkt, der ist ein Trackback-Sauger. Wer bezahlt, der bezahlt zu wenig (andere Baustelle), wer nicht bezahlt, der macht etwas falsch (Vielleicht, man weiß nicht so genau). Wer anonym postet, der ist ein Fake, und wer für eine Frauenzeitschrift vor dem Fotoshooting eine Szenerie stellt, der fälscht Hintergründe. Oder so. Um aber auch weiter zu spiegeln: Wer die Blogs kritisiert, der sieht Frauen lieber Nähen und Kochen, wer Texte abändert, der zensiert.

Da ich in den letzten 14 Tagen nur sporadisch in Klein-Bloggersdorf war, habe ich die spannende Diskussion (andere würden sagen: Schlammschlacht!?!) in den Kommentaren hier verpasst.

Nun – auf den ersten Blick – verwundert der letzte Kommentar (datiert: 11.05.2006 – 00:20):

Hey cool, dem erste freundin-Blog hat endlich mal hierhergelinkt!

…hat auch nur über eine Woche gedauert… (Cator)

Der Kommentar verwundert aber auch nur auf den ersten Blick, denn die Verlinkung entpuppt sich als „des Pudels Kern“??? Nicht wirklich, oder doch?

Zum einen sind die deutschen blogcharts Gradmesser für die Bedeutung der Blogs (und wer möchte nicht gerne – heimlich oder unheimlich – zum erlauchten Kreis der sog. A-Lister gehören???). Für einen guten Platz in Suchmaschinen oder bei Technorati ist die Anzahl der auf das eigene Blog verweisenden Seiten (vgl. auch: Pagerank) ausschlaggebend.

Auf der anderen Seite – und das ist m.E. der wichtigere Punkt – wird die breite Online-Kommunikation erst so richtig durch die „via-Verlinkung“ in Schwung gebracht. So ist es möglich, immer tiefer in ein Thema einzusteigen und die vielfältigsten Meinungen einzuholen.

Für die Verlinkung gibt es zwei Verfahren: Pingback und Trackback. Zu den Vor- und Nachteilen siehe auch hier.

Pingback oder Trackback? Welche Bedeutung hat die Verlinkung für die Bloggosphäre und wie wird richtig verlinkt, das ist hier die Frage?, die ich gerne an die Leser weitergebe …

Unser Vertrauen und die Statistik

… ja, es geht wieder um eine Befragung:
BBC/Reuters/Media Center Poll: Trust in the Media.

Getreu dem alten Motto „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, schauen wir mal wie das Weblog so wegkommt.MediaTrust

Dem nationalen Fernsehen und den nationalen und regionalen Zeitungen vertrauen 82% bzw. 75%.

Internet-Seiten und Weblogs tragen mit 38% bzw. 25% die rote Laterne.

Sehr ausführliche und weiterführende Informationen zu der Studie finden Sie bei BasicThinking.

Überraschen uns diese Zahlen wirklich? Wo erwarten Sie am ehesten seriöse und objektive Informationen???

Also, alles im grünen Bereich, oder doch nicht? Golem titelt:

Menschen vertrauen Medien, nicht der Politik oder Blogs

und dieser Titel bringt Unruhe nach Klein-Bloggersdorf.

Allerdings werden hier Birnen mit Äpfeln und Äpfel mit Pflaumen verglichen …

… And the Winner is … : das Weblog natürlich!!!

Patrick Breitenbach begründet das hier ausführlich. Er führt u.a. an:

  • Blogs sind keine konventionellen, journalistischen Medien. Ihre Aufgabe ist es nicht professionell zu recherchieren.
  • Blogs sind nur bedingt objektive Nachrichtenquellen. Es ist jedenfalls nicht der Anspruch von Blogs eine objektive Nachrichtenquelle zu sein. Daher ist deren Einbezug in die Studie sowieso fragwürdig.
  • Die Entfaltung der Blogosphäre ist noch lange nicht abgeschlossen. Sie dehnt sich derzeit sehr schnell, wie nach einem Urknall, aus.

Studie hin, Statistik her:

Letztendlich vertrauen wir Menschen! – unseren Freunden und Bekannten.

Via Weblog (als Medium = Blog-Trommel) haben wir die Chance, besser und schneller mit Freunden und Bekannten zu kommunizieren und darüberhinaus – dank der technisch einfachen Verlinkung mit Ping- und Trackback sowie über die Kommentarfunktion – ein „Empfehlungsnetz des Vertrauens“ zu bilden.

In diesem Sinne gilt: „die Entfaltung der Blogosphäre ist noch lange nicht abgeschlossen. Sie dehnt sich derzeit sehr schnell, wie nach einem Urknall, aus.“ (Patrick Breitenbach)

So spricht die Blogosphere

David Sifry von Technorati veröffentlicht die neuen Wachtumszahlen der Blogosphere:

  • Technorati now tracks over 35.3 37.3 Million blogs
  • The blogosphere is doubling in size every 6 months
  • It is now over 60 times bigger than it was 3 years ago
  • On average, a new weblog is created every second of every day
  • 19.4 million bloggers (55%) are still posting 3 months after their blogs are created
  • Technorati tracks about 1.2 Million new blog posts each day, about 50,000 per hour

Es überrascht vielleicht, dass im März 2006 weniger als ein Drittel aller Weblog-Einträge in englischer Sprache verfasst worden sind.

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Der Anteil japanischer und chinesischer Blog-Schreiber nimmt zu – Tendenz steigend.

Nur etwa 1 Prozent aller Weblog-Beiträge werden in deutsch verfasst.

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Nahe zu die Hälfte aller Beiträge werden mit Kategorien oder Schlagworten – sog. Tags – versehen.

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Sifry’s Kernaussagen:

  • The blogosphere is multilingual, and deeply international
  • English, while being the language of the majority of early bloggers, has fallen to less than a third of all blog posts in April 2006.
  • Japanese and Chinese language blogging has grown significantly.
  • Chinese language blogging, while continuing to grow on an absolute basis, has begun to decline as an overall percentage of the posts that Technorati tracks over the last 6 months.
  • Japanese, Chinese, English, Spanish, Italian, Russian, French, Portuguese, Dutch, and German are the languages with the greatest number of posts tracked by Technorati.
  • The Korean language is underrepresented in this analysis.
  • Language breakdown does not necessarily imply a particular country or regional breakdown.
  • Technorati now tracks more than 100 Million author-created tags and categories on blog posts.
  • The rel-tag microformat has been adopted by a number of the large tool makers, making it easy for people to tag their posts. About 47% of all blog posts have non-default tags or categories associated with them.

Quellen:
State of the Blogosphere, April 2006 Part 2: On Language and Tagging
State of the Blogosphere, April 2006 Part 1: On Blogosphere Growth

weitere Artikel bei einfach persönlich:
Technorati – Welche Sprache spricht Blogosphere?
Technorati – Wie wächst die Blogosphere aktuell?

Hängt sie höher – die Überbringer schlechter Nachrichten!

sueddeutsche.de titelt wie folgt:

Gefangen im Netz

Ob Produkt-Fehler oder Kommunikations-Fauxpas: Schlechte Nachrichten verbreiten sich im Internet so schnell, dass sie für Unternehmen zur Bedrohung werden können.

Diesen Aufmacher müssen wir uns jetzt einmal auf der Zunge zergehen lassen:

… ein Produkt ist fehlerhaft, ein Unternehmen leistet sich einen „Kommunikations-Fauxpas“ – das sollte nicht vorkommen, kann aber passieren … alles bis hierhin i.d.R. noch kein Problem …

… diese Informationen werden – auch zum Schutz anderer Verbraucher – durch Blogger weitergegeben; sehr schnell – dem Internet sei Dank …

… und nun??? die Schuldigen der aufkommenden (PR-)Krise sind schnell ausgemacht: es sind … die schlechten Nachrichten selbst, die zur Bedrohung werden. Also: hängt die Überbringer der schlechten Nachrichten!!!

Auch Klaus-Peter Johanssen – selbst krisenerfahren in Sachen Don Alphonso vs. Johanssen und Kretschmer [Krisen-Updates gibt es hier und hier] – hat ein Patent-Rezept:

„Das beste Mittel gegen eine Krise ist Prävention“, sagt Klaus-Peter Johanssen, der Unternehmen in Sachen Krisenkommunikation berät. Er nennt als Beispiel Presseinformationen, die bereits vorformuliert werden und im Ernstfall nur noch ergänzt werden müssen. Auch ganze Internetseiten können schon im Vorfeld erarbeitet werden. Wie eine Studie seiner Agentur zeigt, vernachlässigen Unternehmen aber die interaktiven Möglichkeiten des Netzes. Diskussionsforen bietet nicht einmal jedes Vierte an.

Wie wäre es denn ganz einfach mit der Wahrheit?:

Es sind offenbar immer wieder dieselben Fehler, die Unternehmen bei der Krisenkommunikation im Internet machen. „Es wird versucht, zu leugnen so lange es geht. Aber Lügen haben im Internet kurze Beine“, sagt Roselieb. Denn die Wahrheit ist womöglich nur einen Link weit entfernt. Außerdem würden Unternehmen vergessen, dass im Internet rund um die Uhr kommuniziert wird und dass ihre Sicht der Dinge unmittelbar kommentiert werden kann.

Ist das sooooo…. schwer?????

via BasicThinking, social software, Meinungsmacherblog

Mediator – Blog

Das Wachstum der Weblogs ist nach wie vor ungebremst und schon wird von verschiedenen Seiten lautstark nach Blog-Monitoring gerufen.

Sind Weblogs nun die neuen Meinungsmacher oder wird ihre Bedeutung maßlos überschätzt?

Eine PR-Agentur will mit eben diesem Blog-Monitoring (siehe Monatsthema April 2006) „auf den Zug der Zeit“ aufspringen und schafft sich den eigenen PR-GAU, der hier begonnen hat und hier leider noch nicht zu Ende ist.

Eigentlich völlig unnötig … Warum ist Dialog so schwierig?

… es fehlt nicht an gutgemeinten Tipps für den Dialog und den Umgang mit Bloggern – z.B. hier und hier.

Patrick Breitenbach bereichert Klein-Bloggersdorf um ein Mediator-BlogBlog Diplomatie:

Als ständige Vertretung haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die Blogosphäre zu beobachten, Krisen aufzuzeigen und potentielle Stärken von Weblogs aufzuführen.

Eine große Aufgabe … viel Erfolg!!!

via reine Formsache
weiterer Beitrag bei BasicThinking

Verschärfte Haftung für Forenbetreiber

Update 14. Juni 2006:

weitere Entwarnung für Forenbetreiber:

„Dem Betreiber eines Meinungsforums obliegen keine allgemeinen Überwachungs- oder Forschungspflichten dahingehend, ob rechtswidrige Inhalte überhaupt vorhanden sind. Die Verpflichtung des Forumsbetreibers, Beiträge rechtsverletzender Art unverzüglich zu löschen, entsteht erst mit der Kenntnisnahme von diesen Äußerungen.“

Quelle: netlaw.de

mehr dazu im law blog: Urteil: Forenbetreiber haften nicht für Kommentare

Update 8. Mai 2006:

Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat in einem Urteil (Az. 1-15 U 180/05) die so genannte Störerhaftung für Betreiber von Meinungsforen teilweise außer Kraft gesetzt.

heise online: Forenbetreiber haftet nur für anonyme Postings mit.

via law blog

— soweit das Update —

Nach mehr als vier Monaten hat das Landgericht Hamburg die schriftliche Begründung seines viel beachteten Urteils zur Forenhaftung (Az. 324 O 721/05) vom 2. Dezember 2005 vorgelegt. Demnach handelt es sich bei Webforen um eine „besonders gefährliche Einrichtung“. Derjenige, der eine solche Gefahrenquelle betreibe, sei einer verschärften Haftung unterworfen.

Quelle: heise online

Der Heise Verlag werde gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen. „Eine Vorabkontrolle von Nutzerbeiträgen würde das Ende der gewachsenen Forenkultur in Deutschland bedeuten“.

Die schriftliche Urteilsbegründung lesen Sie hier.

Rolle der Weblogs in der Mediengesellschaft

„Irgendwas läuft gerade mächtig falsch in Klein-Bloggersdorf“, resümiert Jörg-Olaf Schäfers in medienrauschen.

In den letzten Tagen hatte ich keine Zeit, weiter zu diesem Fall zu recherchieren und Neues beizutragen.

Wie ich dann der Chronik eines PR-Desasters entnommen habe, war das Kind schon in den Brunnen gefallen …

… und nun doch noch ein erfreulicher Abschluss. Puh … das sollte allen Beteiligten eine Lehre sein!

Umso wichtiger wird jetzt auch die Diskussion um die Rolle der Blogosphäre als ganzes: Blog & Rudelbildung ist ein Stichwort.

Die Rolle, die die Blogger in unserer modernen Mediengesellschaft spielen, wird auch innerhalb der Blogosphäre intensiv diskutiert, z.B. heute beim Spreeblick.

Wie verändern Weblogs den Journalismus?

Thomas Knüwer vom Handelsblatt bringt hier eine interessante Variante ins Spiel – den „Werkstatt-Journalismus“ :

[..] Aus diesem Grund veröffentlichen Journalisten, die sich gewissen Standesgrundsätzen (nein, kein Kodex) verpflichtet sehen, erst dann ihre Geschichten, wenn sie diese für ausreichend fundiert halten.

Weblogs (und natürlich Internet-Seiten insgesamt) aber haben die Möglichkeiten, Artikel immer wieder zu verändern und zu ergänzen. Deshalb ermöglichen sie eine Art Werkstatt-Journalismus, [..]

[..] Eine Zeitungsredaktion muss mit einer begrenzten Menge Leute einen möglichst vollständigen Überblick über die Nachrichtenlage auf einem limitierten Raum zu einem bestimmten Zeitpunkt liefern.

Weblogs recherchieren mit einer unbegrenzten Personenmenge ohne den Anspruch auf Vollständigkeit der Nachrichten zu haben. [..]

[..] Und deshalb ist es legitim auch Geschichten zu schreiben, die vielleicht nur halbgar sind. Die Bereitschaft, zurückzuziehen, zu korrigieren, sich zu entschuldigen und den Kotau zu machen – die muss allerdings vorhanden sein.

Abgesehen davon, ob es legitim ist „halbgare Geschichten“ zu schreiben, oben beschriebener „Werkstatt-Journalismus“ ist m.E. heute schon die Realität, und diese Entwicklung lässt sich auch nicht mehr umkehren. M.E. sind Weblogs kein vorübergehender Spuk, sondern ein wesentlicher Faktor in unseren Meinungsbildungsprozessen.

Wie sollten Unternehmen mit der Blogosphäre umgehen?

Robert Basic bietet einen Blog-Beratungsschein, aber im Ernst: Angriff ist oft die beste Verteidigung.

Meine Empfehlung: Wenn Sie sich von Bloggern angegriffen, oder sich zu Unrecht diffamiert fühlen, schreiben Sie einen Kommentar zu dem Beitrag, und stellen Sie Ihre Sicht der Dinge dar.

Schreiben Sie unter Ihrem richtigen Namen, und hinterlassen Sie eine E-Mail-Adresse, so dass der Blogger Sie kontaktieren kann.

Sollte das nicht fruchten, nutzen Sie selbst die „Blog-Trommeln“ und erstellen ein eigenes „Krisen-PR-Weblog“, beschreiben Sie Ihre Position, und verlinken Sie mit dem „Kritiker“ und auch mit anderen. Wenn Sie gute Argumente haben, dann werden diese auch gehört.

Die Chance aus der PR-Krise:

Ich wünsche mir, dass – nicht zuletzt nach „euroweb“ und „transparency“ – der Abmahnwahn gegen Blogger ein Ende hat, und stattdessen ein direkter Dialog zwischen Beteiligten und Betroffenen stattfindet.

Weblogs bieten das Potenzial für vielfältige Dialoge und „der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab“, Karl Raimund Popper.

Transparency – das glaube ich nicht

Eine Bloggerin hat nach Aufforderung einen ihrer Beiträge gelöscht. Ich habe hier berichtet.

Inwieweit diese Aufforderung berechtigt war oder im Ton unangemessen oder … darüber lässt sich trefflich streiten, sachlich und in aller Ruhe.

Aber noch mehr Öl ins Feuer gießen … das muss doch nicht sein …

… so dachte ich und hatte diesen „Fall“ für mich schon abgeschlossen, bis ich diesen Artikel beim PR Blogger gelesen habe.

Moni bekommt noch mehr Post vom Justiziar, und „der Blog kocht“ – und das völlig zu Recht!!!!

Darf ein Justiziar und Ethikbeauftragter einer Organisation, die die Werte „Transparenz, Verantwortlichkeit, Integrität, Solidarität, Zivilcourage, Gerechtigkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ im eigenen Verhaltenskodex hat, so mit einer Bloggerin umgehen???

Egal, welche Motive man der Bloggerin auch immer unterstellen will, hier bekomme ich den Eindruck, dass Transparency International – eine Organisation, deren Ziele und Werte nicht hoch genug eingeschätzt werden können – einen offenen Dialog scheut …- warum eigentlich??? -… und, wie viele andere auch, lieber zu juristischen Mitteln greift. Passt das zu dem Verhaltenskodex???

Update

Moni lässt sich nicht einschüchtern und RA Udo Vetter greift ein. Ich bitte alle Leser, Moni im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung zu unterstützen. Lesen Sie: Moni sagt Danke …

Update 2

Für alle, die sich umfassend informieren wollen, hat Robert Basic hier eine ausführliche Chronologie der bisherigen Ereignisse verfasst. Danke Robert!

Transparency heisst Offenheit

Droht Transparency Deutschland mit der Abmahn-Keule???

Nach den letzten Vorgängen um „euroweb“, fällt es mir sehr schwer zu glauben, was heute in Klein-Bloggersdorf die Runde macht und bei Basic Thinking, dem Werbeblogger, im Lummaland und anderswo zu lesen ist.

Was bringt die Blogosphäre so in Aufruhr?

Eine E-Mail macht die Runde, und die Echtheit wird von niemandem in Frage gestellt. Btw.: eine E-Mail kann heute jeder schreiben und einen Absender zu fälschen, ist auch nicht schwer.

Ich frage mich: wer ist dieser Justiziar?, wer von Transparency Deutschland hat ihn beauftragt und damit das Schreiben autorisiert? Hat jemand diesbzgl. recherchiert?

Das ist die Geschichte:

Eine Bloggerin schreibt über eine Freundin, Mutter eines dreieinhalbjährigen Sohnes, die zum Ende der Probezeit ihren Job bei Transparency Deutschland verloren hat. Das ist ein schlimmes persönliches Schicksal …

… und nun …

… die Bloggerin wird per E-Mail ultimativ und unter Strafandrohung zur Löschung des Beitrages aufgefordert: (Hervorhebungen von mir)

[..]

Ich erspare es mir zunächst, auf Einzelheiten einzugehen, sondern gebe Ihnen Gelegenheit, den Text unverzüglich, spätestens bis zum 26.03.2006, 24.00 Uhr aus dem Netz zu nehmen.

Sollte das nicht erfolgen, kündige ich Ihnen schon jetzt eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und ggf. eine einstweilige Verfügung an. Ich gehe davon aus, dass Sie sich über die rechtlichen, aber auch finanziellen Konsequenzen, die sich daraus für Sie ergeben werden, klar sind.

Diese Frist ist m.E. unangemessen kurz, und es ist Wochenende. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Schwingt hier jemand die Abmahn-Keule? Das entspräche nicht meiner Vorstellung von transparency!

Unabhängig von diesem Fall gilt: Weblogs laden nicht zuletzt aufgrund ihrer Kommentar-Funktion zu einer offenen (=transparenten) Diskussion ein, jeder kann seine Sicht der Dinge darstellen oder auch die Blogger direkt ansprechen …

… muss das aber unter Androhung einer kostenpflichtigen Abmahnung geschehen???

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut! Für eine Abmahnung müssen gute und nachvollziehbare Gründe vorliegen – Abmahnungen dürfen m.E. niemals ein Druckmittel sein, um unliebsame Kritiker „mundtot“ zu machen!

Update:

Das ist eine sehr gute Aktion von Anmut und Demut:

P.S.: Ich habe eine Email mit gleichem Inhalt auch an office@transparency.de und die deutsche Geschäftsführerin dschroeder@transparency.de geschickt und bitte den einen oder anderen Leser, das auch zu tun, wenn er über den Fall ähnlich denkt und fühlt, um zu zeigen, dass Partizipation in der Zivilgesellschaft auch ohne Anwälte und Androhungen funktioniert.