Rolle der Weblogs in der Mediengesellschaft

„Irgendwas läuft gerade mächtig falsch in Klein-Bloggersdorf“, resümiert Jörg-Olaf Schäfers in medienrauschen.

In den letzten Tagen hatte ich keine Zeit, weiter zu diesem Fall zu recherchieren und Neues beizutragen.

Wie ich dann der Chronik eines PR-Desasters entnommen habe, war das Kind schon in den Brunnen gefallen …

… und nun doch noch ein erfreulicher Abschluss. Puh … das sollte allen Beteiligten eine Lehre sein!

Umso wichtiger wird jetzt auch die Diskussion um die Rolle der Blogosphäre als ganzes: Blog & Rudelbildung ist ein Stichwort.

Die Rolle, die die Blogger in unserer modernen Mediengesellschaft spielen, wird auch innerhalb der Blogosphäre intensiv diskutiert, z.B. heute beim Spreeblick.

Wie verändern Weblogs den Journalismus?

Thomas Knüwer vom Handelsblatt bringt hier eine interessante Variante ins Spiel – den „Werkstatt-Journalismus“ :

[..] Aus diesem Grund veröffentlichen Journalisten, die sich gewissen Standesgrundsätzen (nein, kein Kodex) verpflichtet sehen, erst dann ihre Geschichten, wenn sie diese für ausreichend fundiert halten.

Weblogs (und natürlich Internet-Seiten insgesamt) aber haben die Möglichkeiten, Artikel immer wieder zu verändern und zu ergänzen. Deshalb ermöglichen sie eine Art Werkstatt-Journalismus, [..]

[..] Eine Zeitungsredaktion muss mit einer begrenzten Menge Leute einen möglichst vollständigen Überblick über die Nachrichtenlage auf einem limitierten Raum zu einem bestimmten Zeitpunkt liefern.

Weblogs recherchieren mit einer unbegrenzten Personenmenge ohne den Anspruch auf Vollständigkeit der Nachrichten zu haben. [..]

[..] Und deshalb ist es legitim auch Geschichten zu schreiben, die vielleicht nur halbgar sind. Die Bereitschaft, zurückzuziehen, zu korrigieren, sich zu entschuldigen und den Kotau zu machen – die muss allerdings vorhanden sein.

Abgesehen davon, ob es legitim ist „halbgare Geschichten“ zu schreiben, oben beschriebener „Werkstatt-Journalismus“ ist m.E. heute schon die Realität, und diese Entwicklung lässt sich auch nicht mehr umkehren. M.E. sind Weblogs kein vorübergehender Spuk, sondern ein wesentlicher Faktor in unseren Meinungsbildungsprozessen.

Wie sollten Unternehmen mit der Blogosphäre umgehen?

Robert Basic bietet einen Blog-Beratungsschein, aber im Ernst: Angriff ist oft die beste Verteidigung.

Meine Empfehlung: Wenn Sie sich von Bloggern angegriffen, oder sich zu Unrecht diffamiert fühlen, schreiben Sie einen Kommentar zu dem Beitrag, und stellen Sie Ihre Sicht der Dinge dar.

Schreiben Sie unter Ihrem richtigen Namen, und hinterlassen Sie eine E-Mail-Adresse, so dass der Blogger Sie kontaktieren kann.

Sollte das nicht fruchten, nutzen Sie selbst die „Blog-Trommeln“ und erstellen ein eigenes „Krisen-PR-Weblog“, beschreiben Sie Ihre Position, und verlinken Sie mit dem „Kritiker“ und auch mit anderen. Wenn Sie gute Argumente haben, dann werden diese auch gehört.

Die Chance aus der PR-Krise:

Ich wünsche mir, dass – nicht zuletzt nach „euroweb“ und „transparency“ – der Abmahnwahn gegen Blogger ein Ende hat, und stattdessen ein direkter Dialog zwischen Beteiligten und Betroffenen stattfindet.

Weblogs bieten das Potenzial für vielfältige Dialoge und „der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab“, Karl Raimund Popper.

Blogs = Sprachrohr des Mittelstands

Das ist eine Idee, die mir gefällt! Das ist eine Neue Dimension!

Wo in einem Forum schnell Aussagen von mehreren Personen gleichzeitig in einem Abwasch juristisch abgebügelt und zensiert werden können, indem man einfach den Forenbetreiber zur Kasse bittet, entziehen sich Blogs durch ihre Dynamik derartigen Bestreben.

[..]

Stößt die Blogosphäre hier in neue Dimensionen vor? Wird sie auf Dauer zu einer Art „Mittelstand“ des Journalismus?

Ich weiß nicht, ob solche „cleveren“ Geschäftsgebahren – wie hier frei erfunden (lesenswert!) – in der „realen Welt“ vorkommen, ich weiß aber, dass Weblogs eine ganz neue Bedeutung für kleine und mittelständische Unternehmen bekommen, die ich selbst bis vor Kurzem so in dieser Art nicht für möglich gehalten hatte!

Es geht nicht mehr „nur“ um die Frage der freien Meinungsäußerung, es geht auch nicht um „Traffic für egozentrische Blogger“! Kleine Unternehmen und auch Einzelpersonen erhalten eine wirkungsvolle Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Sie benötigen keinen aufwendigen Apparat, keine ganzseitigen Zeitungsanzeigen und keine teuren Werbespots, Weblogs kommunizieren effektiver, und Weblogs sind nicht zu kontrollieren; ich weiß, das gefällt nicht jedem.

Die Diskussion um die Bedeutung von Weblogs für den Mittelstand erhält eine neue Dimension.

Update

Das habe ich gerade beim PR Blogger gefunden: tolles Beispiel zum Weblog-Marketing! Ähnliche Aktionen können sich auch kleine Unternehmen leisten.

euroweb-Pandemie – um was geht es?

Wird „mit Euroweb nur eine Sau durch Klein-Bloggersdorf getrieben?“, wie Mattlog zu Recht fragt, oder findet diese Diskussion auch den Weg in die Printmedien?

Technorati-Zahlen sind das Eine, die Aufmerksamkeit der „breiten“ Öffentlichkeit das Andere, und Klein-Bloggersdorf ist keine autonome Insel sondern Teil unserer Gesellschaft.

Der Netzgärtner weist hier noch auf weitere „Maulkörbe“ hin und schreibt:

Während die einen bäuerlich derb meinen, daß „die Sau durch durch die Blogosphäre getrieben wird“, knöpft sich ein süddeutscher Pressedienst fast unbemerkt einen der ganz kleinen User vor und versucht ihn über den Thresen – oder genauer – über den Richtertisch zu ziehen.

Um was geht es aber wirklich?

Diese Frage wird jeder für sich anders beantworten! – es geht auch um die (Macht-)Interessen einzelner Gruppen … doch das ist nicht mein Thema.

Es geht um Kommunikation! – und Weblogs verändern die Art und Weise wie wir miteinander kommunizieren:

  • Weblogs sind einfach zu betreiben, und jeder kann seine Meinung jederzeit äußern. (ob das anderen passt, oder nicht)
  • Weblogs haben eine beliebig große Reichweite, in kürzester Zeit ist jede Meinungsäußerung weltweit abrufbar.
  • Weblogs haben ein „Gedächtnis“, jede Meinungsäußerung wird sofort an verschiedenen Orten der Welt gespeichert und kann auch Jahre später noch zitiert werden.

Am Beispiel „euroweb“ wird die neue Dynamik deutlich, die erst durch das Internet in dieser Form möglich wird:

  • 18. März: ein Blogger veröffentlicht die erhaltene Abmahnung
  • 19./20. März: die S… wird durch Klein-Bloggersdorf getrieben
  • 20. März: Firma bekommt einen Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia (vermutlich anders als erwünscht)

Wir müssen lernen, mit dieser Dynamik umzugehen, d.h auch, dass „Aktualität“ neu definiert werden muss.

Mein Fazit aus der „euroweb-Pandemie“:

  • Weblogs müssen als ein wichtiger Bestandteil unserer Medienlandschaft anerkannt werden.
  • Unternehmen müssen lernen, ernsthaft mit Bloggern zu diskutieren.

RSS – Newsweek nutzt Feedburner

Nachdem Feedburner am 13. Dezember 2005 seine Vereinbarung mit Reuters bekannt gegeben hat, folgt jetzt die Bekanntgabe der Zusammenarbeit mit Newsweek.

… doch langsam: erst mal zwei Schritte zurück … Alles Wissenswerte zu RSS lesen Sie hier.

Aber wer oder was ist Feedburner?

Vereinfacht ausgedrückt sammelt Feedburner die verschiedenen Nachrichtenkanäle der Weblog– oder Podcast-Seiten und bereitet diese auf. Zusätzlich stellt Feedburner statistische Auswertungen bzgl. der Feed-Nutzung zur Verfügung.

… und nun fragen Sie vielleicht: was hat das Alles mit mir und meiner Internet-Kommunikation zu tun?

Lesegewohnheiten im Zusammenhang mit RSS-Feeds wurden bereits hier, hier und hier diskutiert …

… aber wie gehen wir mit der Nachrichten-Überflutung durch das Internet um? „Man is over-newsed, but under-informed“, Autor unbekannt.

Wer mehr als 100 Nachrichtenquellen im Blick behalten möchte – Online Magazine, Nachrichten-Ticker, Sites von Kunden, Partnern, Lieferanten, Wettbewerbern, usw. usw. – und dennoch nicht ständig vor dem Computer sitzen kann, weil er ja arbeiten muss, … ja der muss die Quadratur des Kreises schaffen.

RSS-Feeds helfen, den Überblick zu behalten. Und Statistiken -z.B. via Feedburner- zeigen die Verbreitung der eigenen Feeds.

Die neue Macht der Verbraucher

David Weinberger, Mitautor des „Cluetrain Manifesto“ im Interview mit Mario Sixtus über Blogging und seine Sicht der (zukünftigen) Internet-Kommunikation.

Mit dem Internet im Generellen und Blogs im Speziellen sind Märkte vernetzt, sie sind im Gespräch. Und auf einmal stellt sich heraus – vielleicht ein wenig überraschend – dass vernetzte Kunden mehr über Produkte wissen, als die Unternehmen selbst.

Unternehmen könnten ihre Märkte nicht länger kontrollieren, „indem sie nur ausgewählte Informationen veröffentlichen“, während gleichzeitig die vernetzten Märkte so groß sind, dass sich „dort stets Leute [finden], die erstaunliche Experten für etwas sind“.

via Die Dezentrale: Die Dezentrale goes Audio- and Videocasting: David Weinberger

Wie klappt es eigentlich mit

Trackback und Pingback?

Die große Stärke der Weblog-Kommunikation liegt m.E. gerade in der automatisierten Vernetzung der Beiträge und der Blogs untereinander.

Doch das scheint nicht immer zu funktionieren!?!

Gute Erfahrungen habe ich gemacht, wenn der von mir zitierte Beitrag in einem WordPress-Blog steht. Nach kurzer Zeit (-i.d.R. 15-25 Minuten-) erscheint ein kurzer Hinweis auf der anderen Seite. Ich muss keine Links in irgendwelche Felder eintragen o.ä.m., einzige Voraussetzung „Versuche jedes verlinkte Weblog vom Beitrag zu benachrichtigen (verlangsamt das Veröffentlichen)“ muss aktiviert sein.

Trackbacks werden manchmal nach weniger als einer Stunde registriert, manchmal aber auch erst nach Tagen oder überhaupt nicht. Außerdem muss ich hier eine i.d.R. unhandliche URL eintragen.

Eine sehr gute Gegenüberstellung von „Trackback vs. Pingback“ hat Jeena Paradies verfasst.

Welche Erfahrungen haben Sie / habt Ihr mit Trackback, Auto-Trackback, Pingback und mit diesbzgl. Spam gemacht?

Update 13. Juni 2006:

Jörg Petermann – der einfach persönliche – greift das Thema noch einmal auf:
Höfliche Trackbacks – ungeschriebene Etikette

(dann will ich doch mal gleich einen „persönlichen“ Trackback setzen – danke Jörg, für die gute Erklärung :-) )

Kommunikations Eskalation

wenn eine Kommunikationskrise eskaliert …

 

… so wie Rosenkrieger kommunizieren Mitarbeiter der Bamberger GHP-Gruppe öffentlich und anonym.

Was ist geschehen?

Mitarbeiter fühlten sich von ihrem Arbeitgeber nicht richtig informiert und haben Ende letzten Jahres ein Weblog eingerichtet, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Wer genau dahinter steht, lässt sich dem Profil nicht entnehmen.

Dieses Weblog wurde von der Geschäftsleitung entdeckt, und die Mitarbeiter erhielten Post vom Chef:

Ich möchte Sie bitten, solche Schmierenfinken nicht zu unterstützen. Der Blogger übernimmt nicht die Verantwortung für die Arbeitsplätze, die er gefährdet. Zudem hat der Weblog bisher noch keine Neuigkeiten gebracht, über die Sie nicht bereits informiert waren. Wenn Sie Zeitungsartikel lesen möchten, lesen Sie doch bitte die Zeitung und nicht die Zweitverwertung eines Arbeitsplatzvernichters. Sie als Mitarbeiter haben nichts davon, dass jemand den Ruf von GHP aufs Spiel setzt und das Vertrauen unserer Kunden und Finanzgeber gefährdet. Im Gegenteil!

Wie bei einem schlechten Ehe-Krieg, gibt es auch hier nur Verlierer!Ende offen ….

Hier können wir lernen, wie Krisen-Kommunikation nicht funktioniert!

Unabhängig von diesem Fall, werden jetzt wieder Kritiker der Weblogs auf den Plan gerufen. Doch es gibt sie -die Weblogs- nun einmal, und die PR-Mitarbeiter der Unternehmen müssen lernen, die Kommentare der Blogger nicht als „unqualifiziert“ zu verteufeln. Sie müssen die Kommunikationsbedürfnisse der Blogger ernst nehmen und ernsthaft mit ihnen diskutieren.

weitere Beitrage zu diesem Thema:

Basic Thinking: Blogs von (Ex-)Mitarbeitern einer vom Konkurs bedrohten Firma

Basic Thinking: Geschäftsleitung entdeckt anonymes Weblog eines Mitarbeiters

PR Blogger: Der Horror der Kommunikatoren – Mitarbeiter watchbloggen