Transparency – das glaube ich nicht

Eine Bloggerin hat nach Aufforderung einen ihrer Beiträge gelöscht. Ich habe hier berichtet.

Inwieweit diese Aufforderung berechtigt war oder im Ton unangemessen oder … darüber lässt sich trefflich streiten, sachlich und in aller Ruhe.

Aber noch mehr Öl ins Feuer gießen … das muss doch nicht sein …

… so dachte ich und hatte diesen „Fall“ für mich schon abgeschlossen, bis ich diesen Artikel beim PR Blogger gelesen habe.

Moni bekommt noch mehr Post vom Justiziar, und „der Blog kocht“ – und das völlig zu Recht!!!!

Darf ein Justiziar und Ethikbeauftragter einer Organisation, die die Werte „Transparenz, Verantwortlichkeit, Integrität, Solidarität, Zivilcourage, Gerechtigkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ im eigenen Verhaltenskodex hat, so mit einer Bloggerin umgehen???

Egal, welche Motive man der Bloggerin auch immer unterstellen will, hier bekomme ich den Eindruck, dass Transparency International – eine Organisation, deren Ziele und Werte nicht hoch genug eingeschätzt werden können – einen offenen Dialog scheut …- warum eigentlich??? -… und, wie viele andere auch, lieber zu juristischen Mitteln greift. Passt das zu dem Verhaltenskodex???

Update

Moni lässt sich nicht einschüchtern und RA Udo Vetter greift ein. Ich bitte alle Leser, Moni im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung zu unterstützen. Lesen Sie: Moni sagt Danke …

Update 2

Für alle, die sich umfassend informieren wollen, hat Robert Basic hier eine ausführliche Chronologie der bisherigen Ereignisse verfasst. Danke Robert!

Transparency heisst Offenheit

Droht Transparency Deutschland mit der Abmahn-Keule???

Nach den letzten Vorgängen um „euroweb“, fällt es mir sehr schwer zu glauben, was heute in Klein-Bloggersdorf die Runde macht und bei Basic Thinking, dem Werbeblogger, im Lummaland und anderswo zu lesen ist.

Was bringt die Blogosphäre so in Aufruhr?

Eine E-Mail macht die Runde, und die Echtheit wird von niemandem in Frage gestellt. Btw.: eine E-Mail kann heute jeder schreiben und einen Absender zu fälschen, ist auch nicht schwer.

Ich frage mich: wer ist dieser Justiziar?, wer von Transparency Deutschland hat ihn beauftragt und damit das Schreiben autorisiert? Hat jemand diesbzgl. recherchiert?

Das ist die Geschichte:

Eine Bloggerin schreibt über eine Freundin, Mutter eines dreieinhalbjährigen Sohnes, die zum Ende der Probezeit ihren Job bei Transparency Deutschland verloren hat. Das ist ein schlimmes persönliches Schicksal …

… und nun …

… die Bloggerin wird per E-Mail ultimativ und unter Strafandrohung zur Löschung des Beitrages aufgefordert: (Hervorhebungen von mir)

[..]

Ich erspare es mir zunächst, auf Einzelheiten einzugehen, sondern gebe Ihnen Gelegenheit, den Text unverzüglich, spätestens bis zum 26.03.2006, 24.00 Uhr aus dem Netz zu nehmen.

Sollte das nicht erfolgen, kündige ich Ihnen schon jetzt eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und ggf. eine einstweilige Verfügung an. Ich gehe davon aus, dass Sie sich über die rechtlichen, aber auch finanziellen Konsequenzen, die sich daraus für Sie ergeben werden, klar sind.

Diese Frist ist m.E. unangemessen kurz, und es ist Wochenende. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Schwingt hier jemand die Abmahn-Keule? Das entspräche nicht meiner Vorstellung von transparency!

Unabhängig von diesem Fall gilt: Weblogs laden nicht zuletzt aufgrund ihrer Kommentar-Funktion zu einer offenen (=transparenten) Diskussion ein, jeder kann seine Sicht der Dinge darstellen oder auch die Blogger direkt ansprechen …

… muss das aber unter Androhung einer kostenpflichtigen Abmahnung geschehen???

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut! Für eine Abmahnung müssen gute und nachvollziehbare Gründe vorliegen – Abmahnungen dürfen m.E. niemals ein Druckmittel sein, um unliebsame Kritiker „mundtot“ zu machen!

Update:

Das ist eine sehr gute Aktion von Anmut und Demut:

P.S.: Ich habe eine Email mit gleichem Inhalt auch an office@transparency.de und die deutsche Geschäftsführerin dschroeder@transparency.de geschickt und bitte den einen oder anderen Leser, das auch zu tun, wenn er über den Fall ähnlich denkt und fühlt, um zu zeigen, dass Partizipation in der Zivilgesellschaft auch ohne Anwälte und Androhungen funktioniert.